LEBENSSTIL

Loft oder Rückzugsort? So planen Sie offene Wohnräume richtig

Offene Wohnräume sind der Schlüssel zu moderner Architektur und angesagten Inneneinrichtungen. Sie bedeuten großzügiges Licht und flexible Nutzung. Doch die Erfahrung zeigt: Offenheit allein schafft noch keine Wohnqualität. Wenn sie unbedacht geplant sind, drohen akustische Probleme, es gibt keine Rückzugsorte und die Augen finden kaum Ruhepunkte. Die Kunst bleibt die Balance zwischen Weite und Struktur. Wer offene Grundrisse richtig plant, verbindet Freiheit mit Funktion und schafft Räume, die auf Dauer genutzt werden können.

Offenheit braucht Struktur

Ein offener Wohnraum vereint häufig Küche, Essbereich und Wohnzimmer. Diese Mehrfachnutzung verlangt nach Orientierung. Struktur entsteht nicht unbedingt durch Wände. Unterschiedliche Belagsmaterialien am Boden, in der Deckenhöhe oder in der Möblierungsrichtung helfen, Zonen anzulegen. Ein quer zur Raumachse stehender Esstisch oder ein Sofa als Raumteiler gibt dem Grundriss Halt. Im ersten Drittel der Planungsphase ist es darüber hinaus sinnvoll, einen Blick auf Tipps für großzügige, offene Raumkonzepte zu werfen. Anhand von Beispielen wird hier deutlich, wie Freiraum durch gezielte Gliederung nutzbar bleibt, ohne seine Offenheit einzubüßen.

Akustik und Geräuschzonen mitdenken

Ein häufig geäußerter Einwand gegen offene Wohnkonzepte ist die Geräuschkulisse. Kochen und Geselligkeit, Gespräche und Mediennutzung überlagern sich schnell. Akustische Planung wird also zunehmend wichtiger. Textile Oberflächen, Vorhänge, Teppiche und gepolsterte Möbel dämpfen den Schall. Das tun übrigens auch Bücherregale oder bepflanzte Raumteiler.
Sinnvoll ist es, lärmintensivere Bereiche wie Küche oder Medienzone räumlich zu bündeln und ruhigere Zonen bewusst davon abzusondern. Auf diese Weise entstehen informelle Rückzugsbereiche, ohne die Offenheit aufzugeben.

Lichtführung als verbindendes Element

Licht ist der Schwerpunkt der Gestaltung in offenen Räumen. Tageslicht sollte möglichst tief in den Grundriß gelangen. Große Fensterfronten, Glaswände oder Sichtachsen machen den Raum durchlässig, gleichzeitig sorgt künstliches Licht für Struktur. Unterschiedliche Lichtstimmungen zum Kochen, Essen und Entspannen können Zonen voneinander abgrenzen.
Pendelleuchten über dem Esstisch, indirektes Licht im Wohnbereich oder funktionales Licht in der Küche helfen bei der Orientierung. Einheitliche Lichtfarbe lässt den Raum nicht zerfasern.
Offene Wohnräume brauchen Möbel, die flexibel sind. Modulare Sofas, verschiebbare Beistelltische oder mobile Regale passen sich neuen Wohnbedürfnissen an. Gleichzeitig braucht der Raum aber auch visuelle Ruhe. Zu viele verschiedene Möbelstile, zu viele unterschiedliche Materialien erzeugen Unruhe.
Eine schlichte Farbgestaltung und die Verwendung wiederkehrender Materialien verbindet die Bereiche. Möbel mit geraden Linien, die den Boden darunter erkennen lassen, verstärken den Eindruck von Weite. Stauraum am besten geschlossen
Wenn der Stauraum aufbestellt wird, dann bitte möglichst geschlossen, damit es nicht so viele Dinge zu sehen gibt.

Rückzugsorte planen

Selbst in einem offenen Grundriss braucht jeder Mensch Orte der Abkapselung. Das muß nicht gleich ein abgeschotteter Ruheraum sein. Eine kleine Leseecke oder ein Arbeitsplatz mit Ausblick aus dem Raum oder ein Sitzplatz nahe dem Fenster sind Rückzugsorte. Wichtig ist nur, sie liegen nicht im Hauptdurchgang.

Halbhohe Regale, Vorhänge und bewegliche Trennelemente sind praktische Hilfsmittel für temporäre Abgrenzung. So bleibt der Raum veränderbar und damit den Lebenssituationen anpassbar.

Gesundheitliche und funktionale Aspekte

Allerdings spielen neben der Gestaltung auch die bauphysikalischen Gegebenheiten eine Rolle. Raumluft, Lichtverhältnisse und Materialwahl haben Einfluss auf das Wohlgefühl. In offenen Räumen spüren wir schnell die negativen Wirkungen falscher Materialien, schadhafter Lüftung. Glatte Wände verstärken die Schallreflexion. Emissionen mindernde Materialien verbessern die Luftqualität.

Weiterführende fachliche Hintergründe zu Innenraumgesundheit, Luftqualität und deren Einfluss auf das Wohlbefinden bietet eine ausführliche Publikation der Österreichischen Gesellschaft für Innenraumanalytik, die gesundheitliche Zusammenhänge verständlich erläutert.

Offene Wohnkonzepte sind weder Selbstläufer noch eine Stilfrage. Sie erfordern gutes Planen und ein Gespür für deren Nutzung, Akustik und Wahrnehmung. Schafft man die Balance zwischen Offenheit und Struktur, entstehen Räume, die weitläufig wirken und dennoch alltagstauglich bleiben. Das ist die Qualität moderner Wohnarchitektur.

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